Steigende Großhandelspreise, sinkende Umlagen...

  • Energiewissen

Die Großhandelspreise für Strom steigen an den Energiebörsen massiv an. Parallel senkt die Bundesregierung die EEG-Umlage. Was bedeutet das für die Stromkosten der Haushalte?

Warum wird der Strom an der Börse teurer?
Die Großhandelspreise für Strom an den Börsen steigen seit Monaten. An den Terminmärkten, wo sich die Energieversorger langfristig mit Stromlieferungen eindecken, haben sich die Preise im Laufe des Jahres verdoppelt, an den Spotmärkten, wo kurzfristig eingekauft wird, sogar verdreifacht. Die Gründe dafür liegen insbesondere bei der weltweit steigenden Nachfrage nach fossilen Energieträgern. Als Preistreiber gelten die sprunghaft gestiegenen Preise für Erdgas und Kraftwerkskohle.

Was hat diesen Preisschub ausgelöst?
Hauptsächlicher Auslöser ist der weltweite Konjunkturaufschwung. Nach starken wirtschaftlichen Einbrüchen während der Corona-Krise zieht die Produktion rund um den Globus wieder an – besonders stark in China und den anderen asiatischen Ländern. Zudem haben extreme Wetterbedingungen die globale Energienachfrage befeuert: etwa ein extrem heißer Sommer in China und eine Dürre in großen Teilen Südamerikas. In Brasilien waren deshalb viele Wasserkraftwerke außer Betrieb.

Welche Faktoren treiben den Preis in Deutschland außerdem nach oben?
Normalerweise bremsen die erneuerbaren Energien die Strompreise. Dieser Effekt blieb zuletzt aus. Da in diesem Herbst der Wind weniger stark wehte als in den Vorjahren, ist der Anteil der Windkraft an der deutschen Stromerzeugung deutlich gesunken. Um diese Lücke zu schließen, stieg die Menge fossiler Energie, vor allem von Kohle und Erdgas, für die Stromherstellung von 33,6 Prozent im ersten Halbjahr 2020 auf rund 41,5 Prozent in 2021. Allein der Anteil von Kohlestrom stieg um mehr als ein Drittel gegenüber dem Vorjahr und machte im ersten Halbjahr 2021 27,1 Prozent der insgesamt eingespeisten Menge aus.

Wie hoch sind die Kosten für den Stromtransport?
Ein Viertel der Stromkosten entfällt auf die von der Bundesnetzagentur regulierten Netzentgelte. Das sind Gebühren, die die Verbraucher über die Stromrechnung an die Netzbetreiber zahlen – für den Stromtransport, die Instandhaltung von Strommasten, -leitungen oder Umspannwerken –,­ aber zunehmend auch für den Ausbau der Stromnetze, damit die erneuerbaren Energien dort hin gelangen, wo sie gebraucht werden. Die Netzentgelte sollen 2022 im Durchschnitt um fünf Prozent steigen.

Welchen Einfluss hat der steigende Preis für die europäischen CO2-Zertifikate?
Mit dem steigenden Einsatz fossiler Energie-Rohstoffe hat sich der Preis für CO2-Zertifikate zwischen Ende 2019 und Mitte 2021 mehr als verdoppelt. Auch das schlägt auf die Strompreise durch. Die Zertifikate müssen die Stromerzeuger im Rahmen des europäischen Zertifikatehandels kaufen, um CO2 bei der Stromproduktion ausstoßen zu dürfen.

Wie viel Einfluss haben die Energieversorger überhaupt auf den Strompreis?
Nur knapp ein Viertel des Strompreises können die Energieversorger durch günstigeren Einkauf oder Kostensenkungen im Vertrieb beeinflussen. Wer Strom eher kurzfristig am Spotmarkt beschafft, muss nun möglicherweise höhere Großhandelspreise einplanen. Versorger, die eine langfristige Einkaufsstrategie fahren, können die kurzfristigen Marktschwankungen dagegen eher vom Kunden fernhalten. Wie hoch die Mehrkosten bei der Beschaffung ausfallen, kommt auf den individuellen Mix von lang- und kurzfristigem Stromeinkauf an. Mehr als die Hälfte des Strompreises entfielen bisher auf Steuern und staatlich bestimmte Abgaben und Umlagen. Durch die Senkung der EEG-Umlage wird sich dieser Anteil 2022 etwas reduzieren.

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