„Man muss es auf sich zukommen lassen“ - Stefan Schinagl verabschiedet sich in den Ruhestand

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Bereits mit 15 Jahren jobbte Stefan Schinagl für die ENERGIE und nach seinem Studium 1993 begann genau hier auch seine berufliche Karriere. Kein anderer hat die Entwicklung der ENERGIE über Jahrzehnte hinweg so miterlebt wie er. Nun beginnt für den Kaufmännischen Leiter ein neuer Lebensabschnitt. Im Interview spricht er über prägende Meilensteine, schwierige Entscheidungen, Menschlichkeit im Berufsalltag und darüber, wie sich Abschied anfühlt.

Herr Schinagl, können Sie nach so vielen Jahren überhaupt noch ohne „Ihre“ ENERGIE?

Es ist eine größere Umstellung – vermutlich ähnlich wie damals der Wechsel vom Studentenleben in den Berufsalltag bei der ENERGIE. Ich bin ja schon seit meinem 15. Lebensjahr mit dem Unternehmen verbunden und habe schon während meines BWL-Studiums nebenbei hier gearbeitet. Im Vorfeld kann man sich gar nicht richtig vorstellen, was einen nach so einem Übergang erwartet. Man muss es auf sich zukommen lassen. Es gibt natürlich ein lachendes und ein weinendes Auge.

Was werden Sie am meisten vermissen?

Ganz klar: die Kolleginnen und Kollegen, die mir über die vielen Jahre ans Herz gewachsen sind. Die täglichen Begegnungen waren immer sehr angenehm. Man lernt viele Menschen kennen und was sie bewegt. Das wird mir fehlen.  … Und natürlich mein Büro! Ich hatte das Glück, auf der Südseite zu sitzen und konnte oft die Sonne genießen.

Welchen privaten Projekten möchten Sie künftig mehr Zeit widmen?

Es gibt viele Dinge, bei denen ich in den letzten Jahren gesagt habe: „Das mache ich dann, wenn ich in Rente gehe“. Mein Steckenpferd ist ein bisschen meine Familiengeschichte: Ich habe viele alte Familiendokumente, die ich zusammenstellen möchte, beispielsweise Unterlagen meines Großvaters aus dem Ersten Weltkrieg.

Natürlich möchte ich auch reisen. Nach meiner letzten Reise nach Neuseeland bleibe ich nun erst einmal in Europa – Hamburg und die Alpen stehen zum Beispiel auf dem Plan. Außerdem möchte ich meine beiden Kinder besuchen, die in verschiedenen Teilen Deutschlands leben.

Und ich möchte mich um meine Fitness kümmern, mehr Sport machen mir dafür einen festen Wochenplan erstellen. Für all diese Dinge braucht man Zeit – aber die habe ich dann ja.

Hätten Sie 1993 gedacht, dass Sie bis zum Ruhestand bei der ENERGIE bleiben?

Das ist eine gute Frage! Ich glaube, direkt nach dem Studium macht sich noch nicht so viele Gedanken, in welchem Unternehmen man kurz vor dem Renteneintritt arbeitet. Dass ich dann tatsächlich bei der ENERGIE geblieben bin, lag zum einen daran, dass meine Tochter kurze Zeit nach meinem Einstieg geboren wurde und man dadurch natürlich auch etwas sesshafter wird. Aber vor allen Dingen auch deshalb, weil ich mich bei der ENERGIE immer sehr wohl gefühlt habe, die Arbeit viel Spaß gemacht und das Umfeld mit den Kolleginnen und Kollegen sehr gut gepasst hat.

Wie war Ihr Einstieg bei der ENERGIE und was hat sich mit den Jahren verändert?

1993 bin ich als Assistent der Geschäftsführung eingestiegen, damals unter Dieter Wendler. Diese Position gab es vorher noch nicht, sie musste also erst mit Aufgaben gefüllt werden. Ich habe dem Geschäftsführer zugearbeitet und ein sehr breites Aufgabenfeld übernommen. Dazu gehörte unter anderem die Führung eines Ladengeschäfts in Lohr. DIE ENERGIE betrieb zu dieser Zeit ein Elektrofachgeschäft und bis 1998 sogar ein eigenes Küchenstudio.

Im weiteren Verlauf wurde ich Abteilungsleiter für Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit – auch diese Abteilung war neu. Das waren auch noch andere Zeiten: Beim Strom gab es ein Monopol, beim Gas standen wir zwar im Wettbewerb mit anderen Heizarten wie Kohle oder Öl, waren aber auch der einzige Anbieter in der Region. Anfangs habe ich noch selbst am Computer programmiert, später die Öffentlichkeitsarbeit übernommen und schließlich auch den Vertrieb aufgebaut. Viele kleine Schritte, die mich nach und nach an die heutige Position geführt haben.

Welche Meilensteine oder besonderen Entwicklungen sind Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Die Digitalisierung insgesamt, neue Programme, die Einführung der SAP-Abrechnung und der Aufbau eines kundenorientierten Vertriebs - all das waren wichtige Meilensteine. Ich bin froh, diese Entwicklung begleitet und den Wandel der ENERGIE zu einem modernen Energieversorger erlebt zu haben.

Gab es Entscheidungen, die Ihnen besonders schwergefallen sind?

Die Aufgabe des Küchen- und Ladengeschäfts war nicht leicht. Ansonsten hatte ich aber das Glück, über die Jahre hinweg nur selten schlechte Nachrichten überbringen zu müssen.

Welche Rolle spielten Kollegen für Sie – fachlich und menschlich?

Ich bin jemand, der immer versucht, einen Konsens zu finden und Wert darauf legt, nicht nur fachlich korrekt, sondern auch auf Augenhöhe miteinander zu sprechen. Mir ist wichtig, mein Gegenüber zu verstehen. Über die Jahre entsteht eine gemeinsame Historie, man lernt sich schätzen und mögen.

Was möchten Sie Ihren Nachfolgern in diesem Zusammenhang mit auf den Weg geben?

Bei all den Zahlen und dem Ergebnisdruck darf die Menschlichkeit nicht verloren gehen. Man sollte immer im Blick behalten, mit wem man es zu tun hat, sowohl bei Kunden als auch bei Kollegen. Technik und Zahlen sind wichtig, aber der Mensch dahinter ebenso.

Es freut mich sehr, dass Tobias Winkler und Martin Hubrich diese Position übernehmen und die Arbeit weiterführen. Ich sehe schon jetzt, dass es sehr gut weiterlaufen wird und bin überzeugt, dass mein Weggang kaum auffallen wird. Die nächste Generation wird anders arbeiten als ich – aber sie wird die Position auf ihre Weise ausfüllen. Es fällt mir leichter loszulassen, wenn ich sehe, dass es funktioniert und erfolgreich weitergeht.